Über telefonierende Japaner und die liebste Gastfamilie der Welt!

Bula ihr Lieben,
Endlich hab ich wieder Zeit euch ein bisschen von meinem Leben hier zu erzählen. Wurde auch schon ein paarmal nach einem neuen Eintrag gefragt und der wird jetzt glaub ich ziemlich lang, denn diese Woche hab ich ganz viel erlebt
Letztes Wochenende haben wir mit meiner Gastmutter die Familie ihres verstorbenen Mannes besucht, die in einem Village, also in einem ein wenig abgelegenen Dorf wohnt. Es war sehr beeindruckend nocheinmal von Nahem zu sehen, unter welchen verarmten und einfachen Umständen die Menschen, vor allem in solchen Dörfern hier leben. Das Haus bestand aus Wellblech und Holz, es rannten Hühner und Küken um die Wette und draußen stand ein Sofa, das schon einige Jahre hinter sich hatte. Das Schönste aber war die Lebensfreude und Gastfreundlichkeit der Familie: Wir wurden sofort umarmt, uns wurde Tee angeboten und die kleine Tochter hat uns auch sofort das Haus ihrer "Auntie" (Jeder ist hier entweder "Uncle", "Cousin" oder "Auntie", es scheint als sei ganz Fidschi irgendwie miteinander verwandt :D) gezeigt. Diese lebt mit mehreren ihrer Kinder in einem auf Holzstelzen gebauten Haus aus Brettern und Wellblech, das nur einen Raum zum Essen, Schlafen, Waschen und Wohnen hat. Auch wenn das Leben dort so einfach ist, sind die Menschen so glücklich, messen ihren Reichtum allein daran, wie viel Liebe sie erfahren und das ist einfach so ein schöner Lifestyle, an dem die meisten Menschen in Deutschland oder anderen Industrieländern sich ein Beispiel nehmen sollten.
Montag fing dann die erste Woche der Holiday School an und Fleur und ich übernahmen eine Klasse mit 25 Schülern im Alter zwischen 10 und 12. Ich startete dann auch gleich mit einem "German Day", an dem ich den Kindern die wichtigsten Wörter und Sätze, sowie den Song "Die Affen rasen durch den Wald" beibrachte. Als alle mit einem Lächeln nachhause gingen, wusste ich, dass dieser Tag ein Erfolg war. Dies bestätigte sich auch am nächsten Tag, als ein kleiner Junge strahlend zu mir kam und "Guten Morgen Miss Patricia" sagte, das hat mich total gefreut
Am Dienstagabend saßen wir dann abends mit meiner Gastmutter draußen und haben Tee getrunken und sie hat uns ganz viel erzählt: Warum sie sich entschieden hat "Homestays" aufzunehmen -der Grund war, dass sie sich oft sehr einsam alleine zuhause gefühlt hat, da ihr Mann an rheumatischen Asthma gestorben ist und ihre Tochter im 4 Stunden entfernten Suva studiert- und dass sie an Brustkrebs erkrankt war und in dieser Zeit und nach der OP ganz viel Unterstützung von ihren Freunden erfahren hat. In dem Moment hab ich so viel Respekt und Mitgefühl für diese wirklich tolle Frau empfunden und musste sie erstmal in den Arm nehmen. Fairul ist wirklich eine ganz liebevolle, herzliche und starke Frau und ich bin so froh, dass ich sie kennenlernen durfte -ich glaube, ich bin in die beste Gastfamilie reingerutscht, die man sich nur wünschen kann. Das habe ich auch gestern an meinem Geburtstag gemerkt, als sich alle so unglaublich viel Mühe gegeben haben. Es war zwar anders als zuhause und ich habe meine Familie und Freunde sehr vermisst -habe ein Video von meiner Familie und meinen Mädels bekommen, in dem sie für mich singen und mir kamen erstmal die Tränen, ein ganz liebes Danke nochmal an euch alle Aber ich habe auch gemerkt, wie sehr ich meine Gastfamilie lieb gewonnen hab und bin so dankbar, dass sie mir einen so schönen Geburtstag bereitet haben. Es gab einen Geburtstagskuchen, Eis, Kekse, Indische Süßigkeiten, Indisches BBQ und ich hab sogar ein Geschenk bekommen. Bei indischer Musik wurde ich dann -ist hier wohl Tradition- mit Kuchen gefüttert, der teilweise aber eher in meinem Gesicht landete als in meinem Mund :D Auch von meiner Familie zuhause bekam ich einen super schönen Blumenstrauß geschickt, der nun in meinem Zimmer steht.
Auch mit den anderen Freiwilligen hab ich ein bisschen gefeiert und Charlotte und Shannon haben mir zwei süße Karten geschrieben. Am Freitag war wir essen und haben ein bisschen Fiji Gold probiert (3 lustig machende Liter :D) und am Samstag, also an meinem Gebi waren wir im Sleeping Giant Garden -dort will ich übrigens auch heiraten hab ich mir mal so notiert, nur damit du schonmal Bescheid weißt, Mama :D- und im Mud Pool -dort könnte ich auch heiraten, aber dann lieber von vornherein im braunen Kleid :D. Der Mud Pool war so lustig und wir haben ganz viele Bilder gemacht, die ich euch auf jeden Fall zeige, wenn ich bald wieder zuhause bin.
Morgen gehts mit ein paar anderen nach Nadi, weil wir einen Inseltrip buchen wollen und abends vielleicht noch in eine Bar gehen. Drückt mir die Daumen, dass ich im Mini Van nicht wieder -wie am sowieso schon sehr stressigen Mittwoch- zwischen einem indischen, überaus neugierigen Mann und einer telefonierenden Japanerin (die so oft Miau in ihr Telefon schrie, dass ich schon dachte, sie telefoniert mit ihrer Katze), sowie auf dem Rückweg neben einer lauthals mitsingenden Australierin und einem süßen, aber leider durchgehend auf meinen Arm sabbernden Baby und dessen stolz lächelnder Mutter sitze.
Tut mir den Gefallen und dann melde ich mich in ein paar Tagen wieder bei euch, erzähle euch das Neuste und berichte, ob das Daumen drücken geholfen hat :D
Hab euch lieb und euch einen schönen Sonntag
Eure Patti

23.8.15 11:16

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Helga u. Joachim (23.8.15 12:13)
Liebe Patricia, für die Aktion "Heiraten u. Mud-Pool" kaufe ich mir extra ein braunes Kleid, versprochen (das Spektakel möchten wir uns doch nicht entgehen lassen) Wir freuen uns, dass Du Dich dort so wohl fühlst, macht uns die Sache hier viel leichter. Alles, alles Liebe und bis bald


Patricia (23.8.15 12:30)
Super! danke, dann kann nichts mehr schief gehen und das Kleid sieht danach immer noch so matschbraun aus, wie es vorher auch schon ausgesehen hat :D
Ja das glaub ich euch, bald bin ich ja wieder da alles Liebe zurück

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