"Fiji is a slow country"

Guten Morgen ans andere Ende der Welt,

Hier ist es grade 21 Uhr abends und ich habe die letzten Tage wieder viel erlebt, von dem ich euch gerne erzählen möchte
Freitag hatten wir einen Community Day und waren mit allen Freiwilligen in einem Kindergarten in Lautoka. Dort wurden wir dann in Gruppen aufgeteilt: Gartenarbeit, Blumen einpflanzen, Palettentische bauen und Spielgeräte anmalen. Ich war in der Gruppe "Grün" für die Spielgeräte zuständig -nicht nur die Spielgeräte sind grün geworden und ich bin froh, dass ich mir noch einen Sulu (ein Fidschi- typisches Tuch) gekauft habe.
Nachdem die Blumen eingebuddelt und alles schön bunt war, sind wir mit ein paar Freiwilligen in den etwa 50 km entfernten Touristenort (Port) Denarau gefahren. Auf dem Weg dorthin sind wir mit dem Bus durch viele "Villages", das sind wirklich kleine Häusergruppierungen und Gemeinschaften, die oft extrem einfach und in Armut leben, gefahren. Der plötzlich so künstlich und pingelig sauber erscheinende Touristenort wirkte teilweise echt lächerlich. All die Touristen dort werden zuhause erzählen "Ich war auf Fidschi", dabei haben sie das wirkliche Fidschi, die echte Kultur und den Lifestyle in ihren Hotels und mit ihrem Fidschischlüsselanhänger oder anderen Souvenirs nie kennengelernt. Das einzige was diesen Ort mit dem wahren Fidschi verbindet, sind die Busse, die sind nämlich die gleichen.
Als wir auf dem Rückweg nach Lautoka direkt an einem Waldbrand vorbeifuhren, wurde mir das nocheinmal besonders klar. Natürlich ist es auch für uns mal schön, am Wochenende ein bisschen Urlaubsfeeling zu genießen, aber dennoch bin ich froh, dass ich während der Woche viel mehr sehe als Strand, Cocktails und Souvenirläden.
Zurück in Lautoka besuchten wir an diesem Abend den Farmers Market, einen Jahrmarkt der Einheimischen. Es war sogenannte Gay Night und auf einer Bühne unterhielten einige lustig verkleidete Männer eine riesige Masse von begeisterten Einheimischen. Es gab Zuckerwatte und ein Riesenrad und insgesamt erinnerte alles eher an einen Jahrmarkt in den 70 er Jahren in Deutschland. Aber für die Menschen hier war das ein besonderes Event und viele Familien hatten ihren Spaß. Daran konnte man wieder diese zufriedene Einstellung der Menschen hier sehen, sie leben einfach und sind glücklich mit dem was sie haben und schon kleine Dinge sind etwas Besonderes. Zuhause in Deutschland ist das glaub ich anders, die Menschen wollen immer mehr und immer modernere Dinge, ein Jahrmarkt muss die größten und riskantesten Fahrgeschäfte haben, damit es sich lohnt hinzugehen. Hier ist das anders.
Am Samstag waren Kristin, Elsa und ich dann auf einer indischen Hochzeit. Wir durften indische Kleider anziehen, die meine Gastmama extra für uns umgenäht hat und jede Menge Schmuck umbinden - als ich fertig war fühlte ich mich ein bisschen wie ein Weihnachtsbaum voller Lametta.
Dann fuhren wir zu Kristins Gastfamilie und wurden sofort lieb begrüßt und umarmt. Dort wurden dann schon die ersten 40 Fotos von uns in allen Lebenslagen gemacht :D mit dem Onkel, mit dem Sohn vom Onkel, mit einem Onkel vom Onkel und der Tante und dem Nachbar und einem Cousin aus Amerika und der Chipstüte und dem Sohn vom Cousin und der Oma -die Familien sind hier so groß und das Haus ist immer voll (auch in meiner Gastfamilie: momentan sind die Tochter und der Freund (?) da und wir sind 3 Freiwilligenmädels hier und meine Gastmama Fairul, Dienstag kommt eine japanische Sprachschülerin, Freitag kommt ein Deutscher Freiwilliger vom letzten Jahr mit seiner Freundin, am Wochenende kommt ein Teil der indischen Familie :D). Wie die alle hier ins Haus passen werden wir dann sehen :D Als wir Samstag dann jedenfalls zur Hochzeit kamen, wurden wir sofort mit den ersten Kameras begrüßt -teilweise hatte ich schon Angst selber verheiratet zu werden :D. Die Hochzeit selber war auf Hindi, weshalb mich einige Sachen ziemlich verwirrten, weil ich sie nicht verstand. Beispielsweise wurden andauernd Blumen und Blätter von einem Strauß gezupft, mit Samen verbrannt und die Braut kam erst zwanzig Minuten später als der Bräutigam, beide sind nur händchenhaltend und mit einem Band aneinandergebunden etwa 10 Mal im Kreis um eine Pflanze in der Mitte gelaufen anstatt sich zu küssen oder -wie man es bei uns ja kennt- einen Ring oder ähnliches anzustecken. Die Musik, die Kleider und insgesamt die Atmosphäre waren total Bollywood mäßig -auch wenn das typisch indische "Essen mit den Fingern" nicht allzu ladylike und der Atmosphäre entsprechend wirkte :D. Wir durften am Schluss noch ein Foto mit dem Bräutigam machen und es war wirklich eine interessante Erfahrung. Eine Frage bleibt mir allerdings immer noch: "war das wohl eine Zwangsheirat?" Weil beide während der eigentlichen Trauung durchgehend auf den Boden geschaut und wenig gelächelt haben -aber vielleicht ist das ja so üblich. Außerdem war die Frau erst zwanzig Jahre alt. Kristin hat ihre Gastmutter gefragt und die hat auch keine wirklich genaue Antwort gegeben "War das eine arrangierte Hochzeit?"- "Ja, sie haben sich in Facebook kennengelernt." Eine wirkliche Antwort auf meine Frage gibt mir das auch nicht, aber es war eine interessante Erfahrung und ich hoffe natürlich, dass es keine Zwangsheirat war.
Unser Sonntag heute war ziemlich entspannt, eigentlich wollten wir surfen gehen, allerdings waren wir heute morgen ziemlich spät dran und deshalb sind wir nur zu einem Strand hier in der Nähe gefahren. Als ich heute Morgen im Taxi saß (nachdem der Bus wieder seinen ganz geheimen Fahrplan bewiesen hatte), hat der Taxifahrer mir etwas gesagt, dass ich hier selber durchgehend erlebe: "Fiji is a very slow country, other countries are so fast, but Fiji is absolutely slow." :D Ob ich das nun so toll finde wie er muss ich mir aber nochmal überlegen :D

Morgen startet für mich eine neue Woche Arbeit und ich meld mich ganz bald wieder bei euch
Hab euch lieb und vermiss euch!
Eure Patti

26.7.15 12:04

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